Friedland aktuell

„So sehe ich das…“

 

Ein junger Mann in Flipflops, Jeans und schwarzem T-Shirt, die schlanke Gestalt lässig auf ein Geländer gestützt, in der einen Hand eine Zigarette. Man könnte meinen, er genieße die ruhige Abendstimmung – doch sein Blick verliert sich auf einem leeren Parkplatz. Auch der Wohncontainer mit den dicht aneinandergereihten Eingangstüren im Hintergrund stört das Idyll. Die Szene ist auf einem Foto festgehalten. Sie zeigt Ahmad, der aus dem Irak stammt.

Der junge Mann erklärt, wofür das Bild steht: „Die Zigarette ist der einzige Freund, den ich hier habe.“ Ahmad hat an einem Foto-Workshop teilgenommen, zu dem das MUSEUM FRIEDLAND Bewohner*innen des Grenzdurchgangs­lagers eingeladen hat. Der junge Iraker lebt seit einer Woche im Lager, er ist alleine hier – ohne seine Familie.

„Das Gefühl von Einsamkeit ist weit verbreitet unter den Menschen im Lager,“ sagt Samah Al Jundi-Pfaff, „auch wenn sich viele zusammentun, wie etwa Ahmad aus dem Irak und Hamto aus Eritrea, die sich während des Workshops gegenseitig fotografieren.“ Als Museumspädagogin betreut sie die Teilnehmer des Foto-Workshops. Ihre Kollegin Dr. Birga Meyer, wissenschaftliche Mitarbeiterin des Museums, ergänzt: "Jeder bekommt eine Kamera in die Hand, wir machen eine Einführung, dann können sie das Grenzdurchgangslager aus ihrer ganz persönlichen Sicht fotografieren“. Die fünf Teilnehmer stellen sich der Aufgabe mit großem Elan, berichtet Meyer. Es macht ihnen offensichtlich Spaß, die Initiative zu ergreifen und Ideen für Aufnahmen zu entwickeln, die jeweils ihren individuellen Blick deutlich machen. Anschließend teilen sie anhand der entstandenen Fotos ihre Erfahrungen, die sie im Lager gemacht haben, mit den Museumsmitarbeiterinnen. Die Bilder, die Geflüchtete und Spätaussiedler*innen während des Foto-Workshops aufgenommen haben, werden zusammen mit ihren Geschichten in einer Sonderausstellung des MUSEUMs FRIEDLAND gezeigt.

Ihr Titel lautet: „So sehe ich das…“ und bringt auf den Punkt, welches Ziel das Museumsteam damit verfolgt: Den Geflüchteten die Möglichkeit zu bieten, ihre eigene Sichtweise auf das Leben im Grenzdurchgangslager einem breiteren Publikum zu präsentieren. „Dazu haben sie in ihrer Situation normalerweise keine Gelegenheit“, sagt Dr. Birga Meyer, die auch Kuratorin der Ausstellung ist. „Wir freuen uns, der Öffentlichkeit ganz aktuelle Perspektiven der Geflüchteten auf das Grenzdurchgangslager zeigen zu können.“

Die Sonderausstellung wird am Sonntag, den 2. April 2017, im Rahmen eines kleinen Festes zum einjährigen Bestehen des MUSEUMs FRIEDLAND eröffnet.

Los geht’s um 11 Uhr an der Nissenhütte im Zentrum des Grenzdurchgangslagers, Heimkehrerstraße 18, Friedland. Ab 13 Uhr wird im Foyer des Museums im historischen Bahnhofsgebäude Live-Musik gespielt. Zur Feier des Tages ist der Eintritt für alle an diesem Tag frei. Wir freuen uns auf zahlreiche Besucher*innen aus Friedland und Umgebung.

Eva Völker

Presse- und Öffentlichkeitsarbeit – Museum Friedland

 

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www.museum-friedland.de

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