Friedland aktuell

Kinderbetreuung - wer zahlt die Zeche

Die Landesregierung beabsichtigt, den Kindegartenbesuch ab dem 1.8.2018 beitragsfrei zu stellen. Auf den ersten Blick ist dies sicherlich als eine Form der Familienförderung zu begrüßen. Erst auf den zweiten Blick offenbaren sich die Probleme, zu denen eine solche Maßnahme für die Träger der Kindergärten und letztlich für die Eltern führen kann.

Derzeit decken die Elternbeiträge im Durchschnitt 30 % der Betriebskosten. Eltern mit geringem Einkommen entrichten momentan ohnehin keine Beiträge, so dass die Entlastung vor allem höheren Einkommensgruppen zugutekommen wird. Viel wichtiger, da besteht bei kirchlichen Trägern und Kommunen Einigkeit, sind vor allem die Qualität und flexible Betreuungszeiten. Die Debatte um Kita-Gebühren ist mit Blick auf die anstehenden Aufgaben der Kommunen ein richtiger Schritt, doch hier muss das Land die Musik, die es bestellt hat, auch komplett bezahlen. Bereits das 3. beitragsfreie Kindergartenjahr läuft defizitär. Die Kommunen sind derzeit dabei, die Betreuungsangebote weiter auszubauen und die Qualität ständig anzupassen. Sollte bundesweit auf alle Beiträge komplett verzichtet werden, fehlen den Kommunen nach Einschätzung von Landsberg, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städte- und Gemeindebunds, knapp 3,8 Milliarden Euro für den weiteren Ausbau und Qualitätsverbesserungen. Das Land verspricht den Kommunen einen Ersatz durch Pauschalen in Höhe von 126 € bzw. 167 € (je nach Betreuungszeit). Für die Gemeinde Friedland bedeutet dies dennoch ein zusätzliches Defizit in Höhe von 150.000 €/Jahr! Einsparungen sind aufgrund der gemeindlichen Struktur kaum zu erzielen. Der Bildungs- und Erziehungsauftrag darf jedoch nicht gefährdet werden.  Es stellen sich zahlreiche Fragen: Wer zahlt welchen Preis für welche Leistung und muss diese Leistung wirklich allen Familien freigestellt werden?  Wer hat bereits den Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung in der Grundschule bewertet? Welches Personal soll die Betreuung gewährleisten, wenn jetzt bereits Pädagogen/Lehrkräfte und Erzieher*innen nicht zur Verfügung stehen? Sie sehen, viele Fragen und doch nur wenige Antworten.

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